Reinigungskonzept für zertifizierte Endreinigung

Ein deutsches Chemie-Unternehmen hatte eine alte Acetylen-Anlage außer Betrieb genommen. Einen Monat später wurde T.A. Cook involviert, um ein Reinigungskonzept für die zertifizierte Endreinigung aller relevanten Anlagenteile zu erstellen.

 

Nach der Außerbetriebnahme enthielt die Anlage noch Rückstände und Stoffe, die unter die Betriebssicherheitsverordnung und unter das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) fielen. Mit der behördlichen Abmeldung der Anlage entfielen zwar die Prüfungen nach der Betriebssicherheitsverordnung, aber die Vorgaben nach dem WHG blieben weiterhin bestehen. Erst nach der Endreinigung kann eine Anlage in einen sicheren Zustand versetzt und endgültig stillgelegt werden. Danach sind keine behördlich vorgeschriebenen, gesetzlichen und kostenintensiven Prüfungen mehr durchzuführen. Ein sicherer Rückbau dieser großen Anlage war jetzt möglich und betraf folgenden Umfang:

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Tausende Rohrleitungen

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Hunderte PLT-Stellgeräte

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Hunderte Apparate und Maschinen

Herangehensweise

Ein Reinigungskonzept für diese mehrere Jahrzehnte alte Anlage zu erstellen, war allein aufgrund ihrer immensen Größe eine Herausforderung. Basis für das Konzept bildeten mehrere hundert zur Verfügung gestellte R&I-Fließbilder (Rohrleitungs- und Instrumentenfließschemata), die in relevant und unrelevant aufgeteilt wurden. Auf den relevanten R&I-Bildern waren Haupt- und Hilfsproduktwege der gesamten Acetylen-Anlage dargestellt. Unrelevante R&I-Bilder zeigten Lagerpläne, PLT (Prozessleittechnik)-Schemen und andere für die Planung unwichtige Dokumente. Anhand der relevanten Schemata wurde eine weitere Aufteilung in unkritische R&I-Bilder (Equipments ohne Reinigungsbedarf) und fast zweihundert kritische (Equipments mit Reinigungsbedarf) vorgenommen. Auf diese Weise gliederte sich die Aufgabe in viele überschaubare Teilprojekte.

 

Das Konzept beinhaltete das Definieren von Arbeitskreisen auf Basis der kritischen R&I-Fließbilder und dem damit verbundenen Erstellen von Arbeitsmappen für die zu zertifizierende Endreinigung. Ein Arbeitskreis umfasste den Arbeitsaufwand für eine Arbeitsmappe. Das konnten sowohl einzelne Rohrleitungsstränge mit allen dazugehörigen Messstellen und Armaturen sein, als auch Teile oder komplette Großapparate. Arbeitskreise wurden auf den Fließbildern farbig markiert und den entsprechenden Layern zugeordnet. In diesen wurden auch alle zwingend zu demontierenden Teile für den Planer farbig gekennzeichnet.

 

Um einen Überblick zu erhalten und die Kontrolle der vollständigen Abarbeitung sicherzustellen, wurden sogenannte „Master R&Is“ erstellt. Auf diesen Fließbildern wurden alle Arbeitskreise zusammengefasst und mit eindeutigen Schnittstellen farbig markiert. Oft war eine Vor-Ort-Begehung notwendig, um die genauen Verläufe der Rohrleitungen zu bewerten und die Schnittstellen zwischen Arbeitskreisen festzulegen. Eine Arbeitsmappe enthielt den geplanten Arbeitsablauf, aufgeteilt nach Gewerken, und alle notwendigen Unterlagen wie Fließbilder, Isometrien, Lagepläne und Fotos. Der Planungsumfang wurde bei der Erstellung der Arbeitskreise vom Lead Planner und Projektleiter festgelegt.

 

Für eine qualitative und schnelle Planung der Arbeitsmappen wurde von T.A. Cook ein Excel-Template entwickelt. Dies ermöglichte automatisierte Prüfungen der Arbeitsmappen auf Flüchtigkeits- und grobe Inhaltsfehler. Außerdem wurden alle Daten zwecks statistischer Auswertung automatisiert ausgelesen und nach gewünschten Kategorien zusammengefasst, zum Beispiel nach der Anzahl der Handarmaturen mit 100 Millimeter Durchmesser pro Anlagenbereich.

 

Um die geplanten Reinigungsaktivitäten eindeutig zu verfolgen, sollten alle einzelnen Anlagenteile und -abschnitte gelabelt werden. Dazu wurden Tags auf witterungsbeständigem Papier gedruckt und vor Ort gemäß Planung aufgehängt.

 

Mithilfe der SAP-Funktionalität wurden Tags sowie Freigabescheine erstellt. Die Zuweisung eines oder mehrerer Tags zum Freigabeschein ermöglichte ein eindeutiges Nachverfolgen des Fortschritts und die spätere Abmeldung der gereinigten Equipments. Der Bezug konnte sowohl vom Freigabeschein zum Tag als auch umgekehrt hergestellt werden.

Ergebnisse

Nach der Konzeptionierung begann die Planung der vordefinierten Arbeitskreise in bestimmten Anlagenteilen. Nach 6 Monaten fand eine Probereinigung („Proof of Concept“) eines ausgewählten Anlagenbereichs statt. T.A. Cook übernahm die Planung der entsprechenden Arbeitsmappe. Mit dieser Probereinigung konnte geprüft werden, ob die Gewerke wie geplant arbeiten können, und ob der Reinigungsgrad für die Ausstellung des Zertifikats ausreicht.

Nach Abschluss dieser Probereinigungen war festzustellen: Laut Abnahme sind alle Equipments erfolgreich gereinigt und können das entsprechende Zertifikat erhalten. Das Verfahren hat sich bewährt und lässt sich nun auf die anderen Anlagenabschnitte übertragen.

„Dieser Auftrag demonstriert, dass wir uns immer wieder auf die jeweiligen Anforderungen und Gegebenheiten einstellen müssen. Wir sind hier im Prinzip den umgekehrten Weg gegangen: Nicht Stück für Stück optimieren und etablieren, sondern Stück für Stück rückbauen und abwickeln.“

Karlheinz Kuhlmann, Project Manager, Turnaround Management

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