CAPEX BEST PRACTICES

6 'goldene Regeln' um Investitionsprojekte auf Erfolgskurs zu halten

 

 

Investitionsprojekte (auch CAPEX-Projekte genannt) sind für Unternehmen aus der anlagenintensiven Industrie entscheidend, um langfristig erfolgreich zu sein. Da sich die weltweiten Investitionsausgaben auf mehr als 10 Millarden Dollar pro Jahr belaufen und in den kommenden Jahren voraussichtlich noch steigen werden, ist es essentiell, diese Projekte von Anfang an richtig zu planen. Doch Studien zeigen, dass nur eines von drei Projekten tatsächlich die Ziele erreicht, die bei der Projektgenehmigung festgelegt wurden. Hinzu kommt, dass 40 % der Projekte scheitern, hauptsächlich weil sie das Budget oder die Dauer überschreiten. Richtig durchgeführt, sind Investitionsprojekte jedoch eine große Chance für Unternehmen, ihre Performance deutlich zu verbessern. Im Rahmen unserer branchenübergreifenden Arbeit haben wir sechs "goldene Regeln" identifiziert, an die sich Unternehmen halten sollten, um CAPEX-Projekte erfolgreich zu planen, durchzuführen und abzuschließen:


Text: Dr. Thomas Glöckler

1) Portfolio Optimierung - Die richtigen Projekte zum richtigen Zeitpunkt auswählen

Unabhängig von der Größe des Unternehmens sind die Resourcen und finanziellen Mittel in der Regel begrenzt. Bei der Entscheidung darüber, wo Geld und Ressourcen investiert werden, sollte deshalb immer zunächst sorgfältig geprüft werden, was im besten Interesse des Unternehmens liegt. Jedes Projekt muss zunächst einer gründlichen Bewertung unterzogen werden, bei der alle Risiken unter Hinzuziehung zusätzlicher Experten gründlich analysiert werden. Jede Projektinvestition muss außerdem mit den kurz- und mittelfristigen Zielen des Unternehmens in Einklang gebracht werden. Durch die Anwendung dieser schlanken und agilen Projektmanagement-Praktiken lassen sich die Projektlaufzeiten um bis zu 30 % verkürzen.

2. Project Governance - Eine solide Struktur ist die Basis für Erfolg

Die Einrichtung einer Projektmanagement-Abteilung für zentrale Aspekte wie Logistik, Risikoverfolgung und Stakeholder-/ESG-Ergebnisse (Umwelt, Soziales und Governance) am Anfang des Prozesses ermöglicht die erforderliche Fokussierung, Ressourcen und ein standardisiertes Reporting über die Fortschritte. Dies liefert die notwendigen Erkenntnisse für eine schnelle und effektive Entscheidungsfindung. Der Einsatz von Projektmanagement-Expertise kann auch zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Dies bedeutet, dass von Anfang an eine klare Projektdefinition, einschließlich Kosten- und Zeitplanschätzungen, sowie der Umfang des Projektes festgelegt werden müssen. Ziel ist es, den Kapitalaufwand zu minimieren und damit das Risiko deutlich zu verringern. Der Projektmanager sollte außerdem über ein klares Verständnis der technischen, kaufmännischen und administrativen Aspekte verfügen und die einzuhaltenden Vorschriften und Bestimmungen genau kennen. Er muss in der Lage sein, die erforderlichen Ressourcen rechtzeitig zu beschaffen und zu verwalten. Darüber hinaus sollte er die Fähigkeit haben, schnell auf alle Veränderungen und Herausforderungen zu reagieren, die während des gesamten Projektzyklus auftreten können.

3. Planung und Ausführung von CAPEX-Projekten - 'Der Teufel steckt im Detail'

Um den Erfolg Ihrer CAPEX-Projekte zu steigern, sind eine detaillierte Planung und eine zuverlässige Umsetzung unerlässlich. Die Optimierung des Capex-Managements zur Maximierung der Investitionsrendite ist eine komplexe Aufgabe, aber der Aufwand lohnt sich. Wir haben Unternehmen dabei unterstützt ihr Capex-Management unternehmensweit zu verbessern und konnten eine Rendite von bis zu 20 Prozent erzielen. Als erster Schritt müssen alle Managementaktivitäten mit internationalen Best Practices in Einklang gebracht werden. Dazu gehören eine Liste der wesentlichen Ergebnisse und ein umfassender Zeitplan, Arbeitspakete und Lieferantenspezifikationen, ein Plan zur Vorbereitung des Anlagenbaus einschließlich eines optimierten Bauzeitplans, ein Zeitplan für die Auftragsvergabe und die Liefertermine an der Baustelle sowie eine umfassende und zeitlich abgestimmte Mobilisierung der Baustelle. Hinzu kommen Pläne für die Vorfertigung der benötigten Teile, die Übergabe sowie ein gestaffelter Zeitplan für die Inbetriebnahme auf der Grundlage der Empfehlungen des OEM.

4. Optimierung der Auftragsvergabe und Beschaffungsmanagement

Der gesamte Budget-to-Pay-Prozess (B2P) muss ebenfalls überprüft werden. Die Vorteile dieses Ansatzes liegen in erster Linie in der Vermeidung von Kosten (z. B. durch die Verringerung von Budgetüberschreitungen). Eine etablierte Beschaffungspraxis, die durch eine starke Logistikkette unterstützt wird, verringert die Risiken und erhöht den Wert des Projekts durch den Schutz und die Sicherung des Gesamtzeitplans erheblich. Dazu gehört auch die Abstimmung des CAPEX-Managements mit dem Unternehmen und die Zuweisung von Investitionen. Die Projekte müssen auch klar definierte Phasen haben. Neben der Ernennung eines End-to-End-Champions, der für den gesamten Projektlebenszyklus verantwortlich ist, müssen auch Instrumente für das Risikomanagement eingesetzt werden.

5. Aktive Supervision und rigoroses Risikomanagement

Der Schlüssel zur Steigerung der Wertschöpfung bei Infrastruktur-CAPEX-Projekten ist die Schaffung einer soliden Grundlage für die Betriebsphase, indem sichergestellt wird, dass das Team seine Produktivitätsziele während der Bauphase erreicht. Durch proaktive Schritte bei der detaillierten Planung, Abstimmung und Ausführung werden die in dieser Phase erforderlichen Prozesse rationalisiert und durch rigoroses Risk Management gesichert.

6. Kontinuierliche operative Exzellenz für Stabilität und hohe Leistung

Operative Exzellenz ist das systematische Management aller Prozesse, um eine erstklassige Leistung zu erzielen. Unternehmen, die sich an Operational Excellence halten, verbessern ihre Fertigungsprozesse, die Zuverlässigkeit ihrer Anlagen und die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen. Dies führt zu einer verbesserten Anlagenauslastung und einem höheren Durchsatz, einer höheren Zuverlässigkeit der Anlagen und einem sicheren und zuverlässigen Betrieb.

Fazit:

Die Koordinierung von CAPEX-Projekten ist ein hochkomplexer Prozess und ist durch die Folgen der Covid-19-Pandemie noch schwieriger geworden. Aber wenn Sie die sechs oben genannten 'goldenen Regeln' befolgen, können Sie Ihr Projekt auf Kurs halten und die bestmöglichen Ergebnisse erzielen. Dazu gehören die Optimierung Ihres Portfolios, die richtige Unternehmensführung, eine effektive Planung und Ausführung, ein effizientes Vertrags- und Beschaffungsmanagement, ein rigoroses Risikomanagement und kontinuierliche operative Spitzenleistungen. Durch die Anwendung dieser Regeln können Sie sowohl die Gesamtleistung Ihres Projekts erheblich verbessern als auch Ihre Risiken und Kosten reduzieren.

 

 

 

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Zur Person

Thomas Glöckler

Thomas Glöckler ist Projektleiter bei T.A. Cook und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Projekt- und Programmmanagement, Interim Management, Asset Reliability & Lean Management. Als Experte für CAPEX-Management und Operational Excellence leitet er globale Transformationsprogramme hauptsächlich für die Chemie-, Petrochemie- und Öl- und Gasindustrie. Er hat einen Doktor und M.B.A. Abschluss in Wirtschaft und Finanzen. Thomas entwickelt Implementierungsansätze für Asset Performance Excellence-Projekte und stellt sicher, dass globale, anlagenintensive Unternehmen davon nachhaltig profitieren.

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