20 Jahre Maintenance-Innovation

20 Jahre Maintenance-Innovation

Chatbot und QR-Codes überzeugen beim diesjährigen MAINTAINER-Award

Der technische Fortschritt schafft in der Instandhaltung zahlreiche neue Optionen und Hand-lungsspielräume. Viele Unternehmen nutzen die Chancen der Digitalisierung, um ihre Prozesse
durch innovative Ideen zu optimieren. Besonders spannende Innovationen werden seit 1999 von
T.A. Cook ausgezeichnet.

 

Nicht jede Idee muss allumfassend sein – auch marginale Veränderungen können große Auswirkungen haben. Für kleinere und größere Innovationen 2019 zeichnet T.A. Cook Unternehmen seit 20 Jahren mit dem MAINTAINER-Award aus und betont so die Bedeutung der Instandhaltung für die betriebliche Produktivität in der Industrielandschaft. Zum runden Jubiläum lohnt sich aber nicht der nur der Blick auf brandneue Innovationen, sondern auch auf die Ideen der letzten Jahre. Wie haben sich die Ideen ehemaliger Gewinner entwickelt? INSITE blickt auf aktuelle und vergangene Preisträger:
Digital statt analog: Equipment-Transfer leicht gemacht In der Kategorie ‚Excellence in Instandhaltung & technischemService‘ nimmt in diesem Jahr die Evonik Technology & Infrastructure GmbH den MAINTAINER mit nach Hause. Ausgezeichnet wird das Unternehmen für die App ‚I-Qui‘, die durch den Einsatz von QR-Codes die Erfassung und Dokumentation von technischem Equipment stark vereinfachen soll. Damit löst die App ein zentrales Problem: Den Transfer von technischem Equipment von der analogen in die digitale Welt.

I-Qui erfasst das Equipment, allen voran Typenschilder, per QR-Code und ordnet dann jeden Bestandteil einem digitalen Datensatz zu. Diese Daten wiederum können von Wartungs- und Instandhaltungssoftware verarbeitet und vereinfachen die Wartung der Anlagen so erheblich. „Durch den digitalen Stammdatensatz legt I-Qui den Grundstein für die Transformation von Bestandsanlagen“, fasst Karina Spionkowski, Mitarbeiterin Technical Services bei Evonik, zusammen.

 

 

 

Virtueller Assistent: „Marvin“ hilft bei komplexen Fragen

Der MAINTAINER – Sonderpreis für Innovation geht in diesem Jahr an T.CON GmbH & Co. KG. Den Gewinn sicherte sich T.Con mit dem Chatbot „Marvin“, der als Ergänzung zu einer mobilen Instandhaltungslösung fungiert. Zwar ist der Einsatz von Apps zur Digitalisierung papierbasierter Prozesse in der Instandhaltung längst fester Bestandteil. Die Anwendung vieler Lösungen ist allerdings oftmals komplex und unübersichtlich. Hier hilft Marvin: Als virtueller Assistent steht der Chatbot den Mitarbeitern bei Fragen und Problemen zur Seite. So liefert er Informationen aus relevanten IT Systemen, insbesondere SAP PM/EAM, führt auf Wunsch sogar einfache Buchungen durch. Technisch basiert der Chatbot auf der "Conversational AI"-Plattform der SAP und kann so in diverse Kommunikations- und Messenger-Systeme integriert werden. Aufgrund der Praxisnähe überrascht es nicht, dass Marvin bereits jetzt auf großes Interesse stößt: „Das bisherige erste Feedback von Interessenten fällt überaus positiv aus. Wir freuen uns darauf, in den nächsten Monaten die ersten Kundenprojekte anzugehen“, berichtet Norbert Kölbl, Produktmanager und Solution Architekt bei T.CON.

Sparsam & schnell: Videowiki vereinfacht Instandhaltung

Im Jahr 2018 ging der Sonderpreis für Innovation die InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG. Die Auszeichnung sicherte sich das Unternehmen mit einem Video-Wiki, auf das Mitarbeiter immer und überall zugreifen können. „So können wir jegliche Art von Reparaturen oder Instandhaltungsarbeiten schnell und sicher durchführen. Zudem soll das Wiki einen intensiven Austausch zwischen Kollegen und Experten fördern“, erklärt Sven Meurer, Leiter Site Management & Maintenance Technology. Unter anderem können Mitarbeiter per Feedback-Button Nachfragen stellen und/oder Feedback geben. Alle Rückmeldungen landen direkt beim Video-Verantwortlichen und werden im Dialog beantwortet.

Erste Erfolge seit der Etablierung sind bereits messbar. „Eine Befragung zeigt, dass das Wiki aus Sicht der Mitarbeiter zu effi zienteren und beschleunigten Prozessen führt. Einige Kollegen konnten Reparaturen durch die Videoanleitung schneller durchführen als sonst, zudem waren sie teilweise nicht mehr auf externe Unterstützung vor Ort angewiesen. Beides sorgt für sinkende Instandhaltungskosten“, so Sven Meurer. Aktuell arbeitet InfraServ daran, das Wiki beziehungsweise die dazugehörige App weiter zu verbessern. Dies ist aber nur der Anfang: Das Video-Wiki ist die erste Stufe dreistufigen Modells zur Einführung von Augmented Reality. Das Modell soll in den kommenden Jahren schrittweise implementiert werden und die Digitalisierung bei InfraServ durch weitere Innovationen vorantreiben.

Moderne Risikoanalyse: datenbasiert zu niedrigen Instandhaltungskosten

2017 sicherte sich Novartis Pharma Schweizerhalle AG den MAINTAINER in der Kategorie Excellence in Instandhaltung & technischem Service. Der Sieg gelang mit einem Projekt zum Thema „Wertorientierte Instandhaltung“. Ziel: ein besseres Risk Assessment. Die Anlagenbewertung basierte bis dahin auf einer Excel-Tabelle, in der Praxiserfahrungen gesammelt wurden. Dieses Vorgehen sollte durch das neu entwickelte „Business Focussed Asset Criticality Assessment Tool“ modernisiert werden. „Das neue Tool ist zahlen- und datenbasiert. Instandhaltungsdaten, Ausfalldaten und Finanzzahlen werden direkt aus SAP eingepfl egt. So werden bei der Risikoanalyse alle Aspekte mitberücksichtigt. Zudem hat der Betriebsleiter jederzeit den Überblick über den Maschinenpark, die Auslastung sowie das Ausfallrisiko“, erklärt Pasqualle Petrella, Operations Manager ChemOps bei Novartis. Durch das neue Cost Tracking Tool konnten die Schweizer die Instandhaltungskosten von ChemOps im zweistelligen Prozentbereich senken. Kostete die Instandhaltung 2014 noch 39 Millionen CHF, waren es zwei Jahre später nur noch 29 Millionen CHF – bei konstant niedrigem Ausfallrisiko und einer deutlichen Erhöhung der Anlagenzuverlässigkeit. Obwohl das Tool bis heute zuverlässig läuft, sucht man bei Novartis auch zukünftig nach Wegen, die Instandhaltungskosten zu reduzieren: „Je mehr und je besser aufbereitete Daten, desto kosteneffizienter und fokussierter die Instandhaltung. Dafür wiederum sind digitale Innovationen die Grundvoraussetzung“, so Pasqualle Petrella.

Fehlalarm adé: Intelligent Health Monitor ermöglicht proaktive Instandhaltung

Mit dem ‚Intelligent Health Monitor‘ (IHM) sicherte sich algorithmica 2016 den MAINTAINER. Der IHM analysiert Alarmsignale von Pumpen, Turbinen oder Kompressoren nicht einzeln, sondern in ihrer Summe. Das Condition Monitoring wurde so entscheidend verbessert: „Durch die Analyse einzelner Signale kam es wiederholt zu Fehlalarmen, umgekehrt wurden kritische Zustände nicht korrekt erkannt. Durch die Gesamtanalyse der Signale können Schäden einige Tage oder sogar Wochen vorher erkannt und proaktiv vermieden werden“, erklärt Dr. Patrick Bangert, Geschäftsführer von algorithmica. Dadurch sei die Entwicklung von einer reaktiven Instandhaltung zu einer proaktiven Instandhaltung vorangetrieben worden und ermögliche eine Kostenersparnis von bis zu 90%. Heute wird der ‚Intelligent Health Monitor‘ als Software in der Prozessindustrie vielfach genutzt, unter anderem von Evonik. „Zudem sind wir mit dem IHM in Europe, Nordamerika, Asien und im mittleren Osten unterwegs“, so Bangert. Das Team von algorithmica entwickelt das Tool regelmäßig weiter, pro Jahr gibt es in der Regel zwei Updates. Laut Patrick Bangert soll das Tool auch zukünftig weiter optimiert werden, da Instandhaltung ohne modernste Software heute schlichtweg nicht mehr sei: „Eine typische Anlage hat mehrere zehntausend Signale, die alle wichtige Informationen liefern. Kein Mensch kann das bewältigen. Um das zu bewältigen brauchen wir Innovation.“

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