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Zweimal im Jahr lädt T.A. Cook Top-Führungskräfte aus der Instandhaltung zur Fokusgruppe Maintenance Benchmarks ein. Das exklusive Forum bietet die Chance, aktuelle Organisationskonzepte, Prozesse, Strategien und Kennzahlen miteinander zu vergleichen und voneinander zu lernen. Und das im persönlichen Austausch.

Text: Christian Raschke

 

Dass die Zuhörer während des Vortrags aus dem Fenster schauen, ist ausnahmsweise keine stumme Kritik am Redner, sondern zeigt ihr Interesse am Gesagten. Zur Einleitung des Herbsttreffens der Fokusgruppe Maintenance Benchmarks im Berliner Büro von T.A. Cook berichtet Frank-Uwe Hess höchst anschaulich von der Historie des Potsdamer Platzes. Und diese vielleicht bekannteste Straßenkreuzung Berlins ist durch die Fenster des Konferenzraums gerade noch zu sehen.

Schon um 1910 war der Knotenpunkt zwischen Berlin-Tiergarten und -Mitte der verkehrsreichste Platz Europas. Pferdekutschen, Fußgänger, Straßenbahnen und Autos drängten wild durcheinander von der einen auf die andere Seite, so dass die Stadt 1924 beschloss, auf dem Platz die erste Verkehrsampel Berlins aufzustellen. Dieser sogenannte Verkehrsturm steht heute noch als Denkmal vor dem S-Bahnhof Potsdamer Platz und dient Hess in seinem Eröffnungsvortrag als ein Beispiel dafür, wie sich Komplexität beherrschen oder reduzieren lässt. Denn um nichts anderes gehe es in der Instandhaltung, sagt der CEO und Partner bei T.A. Cook. Komplexität beherrschen, um Aus- und Unfälle zu vermeiden und die Anlageneffektivität so hoch wie möglich zu halten. Die simpelste Alternative zur Straßenkreuzung ist der Kreisverkehr.

Zugegeben: In der Prozessindustrie sind die Lösungen selten so simpel. Doch genau deshalb treffen sich halbjährlich Führungskräfte aus der Instandhaltung von derzeit 13 Unternehmen zur Fokusgruppe Maintenance Benchmarks. „Das Format ist einzigartig“, sagt Dr.-Ing. Christof Riewenherm. Der Leiter des Zentralen Asset Service bei INEOS in Köln ist zum wiederholten Mal dabei und schätzt den Austausch mit Instandhaltungsexperten aus anderen Unternehmen und Branchen sehr. „Bei den halbjährlichen Treffen der Fokusgruppe habe ich die Möglichkeit, mich und meine Organisation mit anderen zu vergleichen“, sagt er. Vertreten sind Infrastrukturdienstleister, Chemieunternehmen, Raffinerien, Lebensmittelproduzenten und Pharmaunternehmen. „Gerade der Branchenmix macht es spannend“, so Riewenherm, „Weil unsere Unternehmen nicht unmittelbar im Instandhaltungs-Wettbewerb stehen, können wir offen reden.“ Beim letzten Treffen in Berlin stellte Riewenherm die Instandhaltungsorganisation und das Reliability-Management der INEOS in Köln vor und verriet dabei sogar, mit welchen Stundensätzen für Handwerkerleistungen er intern kalkuliert.

Vertraute Atmosphäre

Dieser Geist ist es, der die Fokusgruppe Maintenance Benchmark für die Teilnehmer so wertvoll macht. Es wird offen gesprochen und lebhaft diskutiert. Als Treffen unter Gleichgesinnten bezeichnet sie Teilnehmer Dr. Mathias Ruhland, global verantwortlich für Prozesse, Technologie und Reliability bei Covestro Deutschland. Seit 2013 organisiert T.A. Cook die Treffen halbjährlich, immer im Frühjahr und im Herbst und an wechselnden Orten. Die Zeitabstände zwischen den Treffen haben sich bewährt. Ebenso das Angebot an die Teilnehmer, die Themen des jeweils nächsten Treffens mitzubestimmen. „Wir haben in der Vergangenheit viel über Kennzahlen gesprochen wie Mean Time To Repair, Mean Time To Failure, die Instandhaltungskostenrate oder wie man die OEE miteinander vergleichen kann“, sagt Hess. Bei der Berliner Runde stand zur Abwechslung eher Prozessbenchmarking auf dem Programm. Wie ist das Reliabilty-Management verschiedener Unternehmen organisiert? Mit welchen Tools und Strategien wird gearbeitet? Welchen Nutzen kann man erzielen?

Wie sehr das gewählte Thema auf Interesse stößt, zeigt die Tatsache, dass die Vorträge verschiedener Case-Studies zur Instandhaltung bei BASF, OMV, Covestro, Bayer und Co. immer wieder von Rückfragen und Diskussionen unterbrochen werden. Was auf großen Konferenzen als negativ empfunden würde, ist in der Fokusgruppe ausdrücklich erwünscht. „Das Treffen lebt von der Interaktion“, sagt Hess. Der starke Praxisbezug und lösungsorientierte Erfahrungsaustausch helfen den Teilnehmern nachweislich dabei, Veränderungsprozesse im eigenen Unternehmen zum Erfolg zu führen. Auch die gesammelten Präsentationen, die im Anschluss an jedes Treffen von T.A. Cook als PDF unzensiert zur Verfügung gestellt werden, sind ein gutes Hilfsmittel. Wer bereits Erfahrungen und Kennzahlen einer anderen Instandhaltungsorganisation zum Vergleich vorlegen kann, hat größere Chancen, das eigene Management ebenfalls von einer Veränderung zu überzeugen.

„Der starke Praxisbezug und lösungsorientierte Erfahrungsaustausch helfen den Teilnehmern nachweislich dabei, Veränderungsprozesse im eigenen Unternehmen zum Erfolg zu führen.“

Frank-Uwe Hess, Chairman and Co-Founder

„Diese Offenheit ist toll, aber man muss sich darauf einlassen“, sagt Dr. Markus Finke, Leiter Reliability und Integrity Management bei Bayer Crop Science. Er hat bereits mehrere Male teilgenommen und zuletzt selbst darüber referiert, welche Strategien Bayer beim Wechsel von reaktiver hin zu proaktiver Instandhaltung verfolgt. „Meine Erwartung, dass ich hier Einblicke in andere Unternehmen und Organisationen bekomme und mich selbst damit vergleichen kann, hat sich bisher immer erfüllt“, sagt Finke. Insofern habe er selbst bei seinem Vortrag auch kein Blatt vor den Mund genommen. So fällt das Resümee der Teilnehmer nach eineinhalb Tagen, vielen Vorträgen und Case-Studies und zahlreichen persönlichen Gesprächen mal wieder durchweg positiv aus.

Das nächste Frühjahrstreffen findet im März 2017 statt. Dann wird über Industrie-4.0-Anwendungen gesprochen, die über das schon heute übliche Condition-Based Monitoring hinausgehen, über Wissensmanagement und Ausbildung in der Instandhaltung und darüber, wie man Partnerfirmen zu echten Partnern machen kann. Der Veranstaltungsort wird voraussichtlich in Süddeutschland sein. Den Potsdamer Platz und Berlin haben die Teilnehmer ja gerade erst kennengelernt.

Zur Person

Frank-Uwe Hess, Chairman & Co-Founder

Frank-Uwe Hess ist Partner bei T.A. Cook Consultants. Nach Abschluss seines Studiums zum Dipl.-Ing. oec. arbeitete Frank-Uwe Hess als Technologie-Berater Instandhaltung und später als Management-Berater bei der PSI GmbH. Seit 1995 ist er Partner bei T.A. Cook Consultants, einer auf Asset Performance Management spezialisierten Managementberatung. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die nachhaltige Implementierung von Asset und Operations Excellence. Seine Kunden sind namhafte Unternehmen, im Wesentlichen aus den Branchen Chemie und Petrochemie sowie Energieversorgung.

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