Blitzschnell dazulernen

Blitzschnell dazulernen

„Lernen ist eine Aufgabe, die für Mitarbeiter zur Holpflicht geworden ist.“

Mit dem E-Learning-Tool Flashcards hat T.A. Cook ein Werkzeug entwickelt, dass Beratern ebenso wie Kunden und deren Mitarbeitern hilft, sich strukturiert und individuell weiterzubilden. Jederzeit und an jedem Ort.

von Günter Schmittberger

 

Vielleicht gehöre ich mit 62 Jahren nicht mehr zur primären Zielgruppe für neue Formen des Lernens. Aber ich finde es immer wieder faszinierend, wie leicht man heute mit E-Learning in und außerhalb des Berufslebens an Wissen herankommt und wie großartig dieses Wissen aufbereitet sein kann. Andererseits, das Internet erscheint mir oftmals unendlich: Wenn man nicht gerade selbst eine digitale Lernakademie gründen möchte, braucht man Nerven und Ausdauer, um die berühmte „Stecknadel im Heuhaufen“, sprich die passenden Inhalte in der richtigen Qualität, zu finden. Das mag für den Privatgebrauch vielleicht noch okay sein. Aber für ein Unternehmen genügen die Nutzung öffentlicher Lernplattformen, die Google-Suche oder ein Youtube-Kanal nicht.

Digitale Lernkarten

Seit einem Jahr bin ich für das Wissensmanagement bei T.A. Cook verantwortlich. Für unsere Kunden ist vor allem unsere Expertise, also unser Know-how, wichtig. Und noch mehr unsere Experten, die es vor Ort implementieren. Wissensmanagement bedeutet für mich vor allem, wie wir den Transfer von implizitem zu explizitem Wissen hinbekommen. Einfacher ausgedrückt, wie wir wichtige Erfahrungen Einzelner so  aufbereiten, dass diese jedem zur Verfügung stehen.

Praktisch gesprochen: Ein Kollege fragt mich: „Sag mir doch mal bitte, wie hast du deine Reliability-Strategie umgesetzt?“ Oder: „Was bedeutet Maintenability?“ Ob zu Fragen wie diesen oder wie man die Wrench-Time erhöht und was überhaupt dahintersteckt – täglich findet dazu bei uns projektintern, auch kundenübergreifend, ein reger Austausch statt.Doch viele Antworten gehen im täglichen Geschäft unter. Sie bleiben implizites, also persönliches Erfahrungswissen. Aus diesem Grund führen wir in regelmäßigen Abständen Trainingsveranstaltungen durch. Doch auch solche Trainings haben Grenzen.

Deshalb setzen wir nun auf sogenannte digitale Lernkarten. Jede Einheit ist leicht verständlich, überschaubar als „Micro-Learning“-Einheit und multimedial aufbereitet. Durch die Integration abwechslungsreicher Interaktionselemente sind die Lerninhalte spielerisch angereichert. Video, Audio, Text und Bild – sämtliche digitalen Medien können integriert, selber erstellt oder als externe Inhalte eingebettet werden. Zudem können Kursteilnehmer den Lernfortschritt der anderen Teilnehmer verfolgen oder sich gegenseitig Anregungen geben. So vermitteln die Lernkarten pointiert komplexe Sachverhalte auf unterhaltsame Art und Weise, und fügen sich nahtlos in unsere bestehende Lernlandschaft ein. Im Rahmen einer Mitarbeiterentwicklungsstrategie können wir mit den Lernkarten zielgerichtet Vorwissen vermitteln oder selektiv noch fehlende Bausteine hinzufügen. Durch Lernkarten können wir das Lernen für Mitarbeiter, unsere Kunden oder auch Kontraktoren unserer Kunden deutlich stärker zeit- und ortsunabhängig gestalten. Die digitalen Lerneinheiten sind für alle Zielgruppen automatisch für Smartphone, Tablet und Desktop optimiert.

On-Demand-Learning

Zunächst hatten wir die Lernkarten nur für den internen Gebrauch entwickelt. Doch dann haben wir festgestellt, dass sie exzellent für unsere Beratungsprojekte als Transferwerkzeug geeignet sind. Heute setzen wir die Lernkarten zur Ausbildung der eigenen Mitarbeiter ein, zum Zertifizieren von Kontraktoren oder für die projektspezifische Vorbereitung und zur Schulung in Großprojekten, wie etwa Turnarounds.

Die Lernkarten bieten eine integrierte Quizfunktion. Diese festigt das Gelernte und bieten zudem die Möglichkeit, Wissenslücken zu identifizieren und diese gezielt zu schließen. Der Mitarbeiter fokussiert sich somit auf die Themen, bei denen er Bedarf hat, anstatt einen gesamten Kurs zu belegen. Lernen auf Vorrat funktioniert erfahrungsgemäß nicht wirklich. So besteht zum Beispiel der Kurs Turnaround-Risikomanagement aus drei Kollektionen und gut 25 Lernkarten. Nun gibt es zwei Anwenderszenarien: Ein Mitarbeiter ist an dem Thema Risikomanagement interessiert und belegt den Kurs komplett mit einem abschließenden Ausbildungszertifikat. Oder ein Mitarbeiter möchte aufgrund einer beruflichen Aufgabenstellung sein Wissen neu auffrischen. Über die Quizfunktion stellt er fest, dass die Themen Bow-Tie sowie Monte-Carlo-Simulation für ihn relevant sind.

Lernen ist eine Aufgabe, die für Mitarbeiter zur Holpflicht geworden ist. Themen, die für uns aus gesetzlicher oder Compliance-Sicht wichtig sind, wie zum Beispiel Datensicherheit und Vertraulichkeit, müssen von allen Mitarbeitern jährlich als Online-Kurs belegt werden. Die Lernkarten geben uns die Möglichkeit, dass alle Mitarbeiter die Teilnahme mit einem Zertifikat nachweisen müssen. Beim Compliance-Kurs ist voreingestellt, dass die Prüfung nur einmalig durchgeführt werden darf und zu 100 Prozent bestanden sein muss.

Lernen auf den Kopf gestellt

Neben der eigenen Mitarbeiterausbildung begleiten wir unsere Kunden im Rahmen von In-House-Weiterbildungsprogrammen. Anstatt wie früher einen zweitägigen Risk-Base-Scopemanagement-Trainingskurs frontal mit einem Seminarleiter durchzuführen, setzen wir heute auf das Konzept „flipped classroom“. Eine Teilnehmergruppe erhält vier Wochen im Vorfeld den Kurs als Lernkarten-Kollektion. In den Lernkarten werden die einzelnen Themen vorgestellt, fachlich eingeleitet und anhand von unternehmensspezifischen Beispielen praktisch erläutert. So erscheinen die Teilnehmer bereits fachlich vorbereitet zum Training. Dort erläutert der Seminarleiter die Wissenseinheit, bevor Aufgaben in Kleingruppen bearbeitet und vorgestellt werden.

Der Effekt: Der Seminarleiter bleibt Coach, ist aber nicht in der Lead-Funktion. Im Ergebnis werden eigene Erfahrungen und Beispiele in den Vordergrund gestellt und das Wissen wird von den Teilnehmern besser angenommen, da es mit persönlichen Erfahrungen praktisch angereichert ist. Die Präsentation ist vielleicht nicht so perfekt wie bei einem erfahrenen Trainer. Dafür macht es den Teilnehmern richtig Spaß und bringt Leben in eine Gruppe.

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  August 2017 / Günter Schmittberger , Manager Knowledge Management

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