Durch Digitalisierung Turnaround-Prozesse verstehen und optimieren

Durch Digitalisierung Turnaround-Prozesse verstehen und optimieren

Anlagenabstellungen sind extrem herausfordernde Projekte: Wachsende Anforderungen an Termintreue, Qualität, Sicherheit und Budget erhöhen enorm den Druck, verstärkt durch die Dynamik einer sich stark verändernden Technologielandschaft. All diese Anforderungen können heute nur noch mit umfassender Digitalisierung gelöst werden. Auf der TAR 2019-Tagung in Potsdam bewiesen Unternehmen und Dienstleister, dass es sich lohnt.

 

von Roland Hensel

„Digitalisierung ist Bestandteil unserer Unternehmensstrategie“, betonte Dr. Tobias Laiblin, Senior Projekt- und Stillstandsmanager bei Evonik Performance Materials. „Nur eine lernende Organisation kann Anlagenstillstände optimal bewältigen und Digitalisierung ist dabei ein grundlegendes Instrument, um immer besser zu werden.“ Dies auch vor dem Hintergrund, dass inzwischen Globalisierung, Individualisierung und demografischer Wandel den Markt bestimmen. „Es sind vor allem die Ressourcen-Knappheit und verschärfte Rahmenbedingungen, die eine verstärkte Abstimmung zwischen Betreiber und Kontraktoren und gleichzeitig ein digitales Asset-Management fordern“, stellte Gerhard Pilotto, Executive President bei Bilfinger SE, fest. Das Unternehmen entwickelte eine Plattform, die sämtliche Anlagendaten und Dokumente für den gesamten Lebenszyklus enthält. Dies ermöglicht die schnelle Erstellung von Digitalen Zwillingen und 360° Plant Views, die die Produktion, Instandhaltung und Turnaround unterstützt. „Dies gibt die notwendige Anpassungsfähigkeit, um innovativ auf veränderte Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Wenn sich dann noch strategische und langfristige Partnerschaften herausbilden, ist dies eine Win-Win-Situation für Auftraggeber und –nehmer“, berichtete Pilotto.

„Nur eine lernende Organisation kann Anlagenstillstände optimal bewältigen und Digitalisierung ist dabei ein grundlegendes Instrument, um immer besser zu werden.“

Dr. Tobias Laiblin, Senior Projekt- und Stillstandsmanager bei Evonik Performance Materials

Komplexe Prozesse besser verstehen

Wie dies in der Praxis angewendet wird, zeigte René Leitner von der österreichischen OMV Downstream mit der Electronic Turnaround Optimization Platform. Anhand eingespeister Daten können die Turnarounds an Standorten in Österreich und Rumänien miteinander verglichen und entsprechendes Optimierungspotenzial aufgezeigt werden. „Für uns ist die Digitalisierung nicht das Ziel, sondern der Weg, um Prozesse besser verstehen und optimieren zu können“, verriet Leitner. Inzwischen können auch alle Daten in der Cloud gesammelt und ausgewertet werden. Sämtliche Rückmeldungen einer Inspektion werden am Objekt gepflegt. Wie man mit einem Simulationstool dann z.B. den Waschplatz optimal auslasten kann, schilderte Sandro Dadaczynski, Senior Consultant bei der Cosmo Consult.

 

Dass sich die Digitalisierung auch bei Nebengewerken rechnet, zeigte Jannek Fahrenholz, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma, auf. „Mit der 4D- und mobil-unterstützten Planung können wir komplexe Kranarbeiten und die Logistik überwachen und so bei einem Turnaround 500.000 € und 20 unproduktive Schichten einsparen“, sagte Fahrenholz. Und Frank Weiher, Geschäftsführer von Weber Engineering, belegte anschaulich, dass sich mit der Kombination aus Laserscanning und Fotogrammetrie die Aufstellungs- und Fertigungstoleranzen bereits im Vorfeld überprüfen lassen. Und selbst Gerüste können – digital geplant mit Building Information Management (BIM) – beim Turnaround genau an der Stelle aufgestellt werden, wo sie gebraucht werden. Dies alles vermeidet Anpassungen und unproduktive Zeiten während des Turnarounds.

Im Abschlussvortrag skizzierte Dr. Andreas Weber von Evonik Technology die Sonderrolle des Brownfield-Standortes Deutschland bei der Transformation in die digitale Welt. „Deutsche Unternehmen sind deshalb so erfolgreich, weil sie hoch effizient Standardprozesse abarbeiten können.“ Doch inzwischen müssen sie sich der Volatilität des Marktes anpassen und modifiziert werden. Deswegen brauchen sie einen branchenübergreifenden Austausch und Zusammenschluss von Vertretern aus Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft.

 

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