SMARTe Ziele

SMARTe Ziele

Im Interview mit dem erfolgreichsten Ultracycler der Gegenwart

"Ich werde mein Ziel erreichen, wenn ich es klar definiere."

4940 Kilometer, 35.000 Höhenmeter, Temperaturen von über 40°, 8 Tage, 9 Stunden, 34 Minuten Radfahren bei insgesamt nur 2 Stunden Schlaf.  Wenn Christoph Strasser bei einem Vortrag über seine Teilnahme am Race Across America spricht, dem härtesten Radrennen der Welt, sieht man immer eine ähnliche Reaktion beim Publikum – eine Mischung aus Respekt und Faszination, wie ein Mensch seinem Körper schier unmenschliche Leistungen abringen kann. Bei seinen Seminaren vermittelt der erfolgreichste Ultraradsportler der Gegenwart dass jedes Ziel, das man sich vorstellen kann, auch zu erreichen ist. Wie, und was Unternehmen daraus lernen können, verrät er hier im Interview.

INTERVIEW: Ute Csiser-Bernhardt

 

Sie sind einer der erfolgreichsten Extrem-Radsportler der Welt. Was treibt Sie an?

Meine ungeheure Leidenschaft für diesen Sport, das Setzen neuer Ziele und der Weg dorthin. Und nicht zuletzt der Faktor Team. Gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten und es am Ende auch zu erreichen, bereichert ungemein.

In Ihren Vorträgen referieren Sie über SMARTe Ziele. Erzählen Sie uns bitte ein bisschen davon.

SMART bedeutet kurz gesagt, dass ein Ziel simpel, messbar, attraktiv und realistisch sein sollte - und dass sie einen gewissen Zeitrahmen haben. Ich werde mein Ziel erreichen, wenn ich es genau definiere. Es ist außerdem wichtig, dass ich mir vorstellen kann, wie ich mich fühle und wie es in meinem Leben positiv weitergeht, nachdem ich das Ziel erreicht habe. An zu abstrakten Ziele scheitern viele, weil auf dem Weg dorthin irgendwann die Motivation verloren geht.

 

Und wie motivieren Sie sich?

Ich bastel mir zum Beispiel gerne im Photoshop Bilder zusammen. Diese sind dann nur für mich. Vor meiner Rekordfahrt 2014 änderte ich im Trainingsjahr davor meine Zielzeit auf dem Zielfoto von über acht Tagen auf unter acht Tagen. Das war ein Jahr lang mein Bildschirmhintergrund. Oder ich schreibe mir kleine Botschaften auf Post-Its und positioniere sie am Spiegel, am Computer oder am Kühlschrank. Und ich stelle mir mein Ziel konkret vor: Wie sieht es dort aus, was fühle ich, wie riecht es dort, usw. – eine Art Gedankenreise. Das erlebe ich teilweise sehr intensiv und es ähnelt ein bisschen einer Meditation. Je öfter man sich auf diese Gedankenreise begibt, umso greifbarer und näher rückt das Ziel.

„Man muss sich sammeln, neu orientieren und wieder ganz von vorne an seinem Ziel arbeiten."

Sie haben mal gesagt, der Erfolg ist ein schlechter Lehrer. Wie meinen Sie das?

Nun ja, der Erfolg verführt dazu, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen oder gewisse Risiken nicht mehr als solche zu sehen. Ich unterschätzte 2012 einen Konkurrenten aus der Schweiz, weil ich den Erfolg des Vorjahres im Hinterkopf hatte. Das war ein schwerer Fehler, denn schlussendlich gewann er das Rennen und ich wurde knapp hinter ihm Zweiter. So ein Fehler passiert mir nie wieder. Nach den RAAM-Siegen und Rekorden fühlte ich mich zu sicher und ging davon aus, dass das Erreichen der Ziellinie keine Frage ist, sondern nur, wie schnell ich sein kann. Das Ergebnis war, dass ich ausschied. Mein Kopf war nicht darauf vorbereitet, ums Durchkommen zu kämpfen. Auch nach 4 Siegen ist das Finishen nicht einfacher als früher.

Wie gehen Sie mit solchen Niederlagen um?

Mein Ausscheiden beim RAAM 2009 und 2015 war hart, vor allem da es beide Male wegen einer Erkrankung der Lunge geschah. Ich habe mir schon die Sinnfrage gestellt oder ob ich einfach doch nicht stark genug bin, diesen harten Wettkampf immer wieder zu bestreiten. Im Endeffekt ist es jedoch wie das Meiste im Leben eine Lernerfahrung. Man muss sich sammeln, neu orientieren und wieder ganz von vorne an seinem Ziel arbeiten. Und man lernt aus den Fehlern, die man gemacht hat oder die man im Rückblick als solche enttarnt, und gewinnt so an Erfahrung. Und die ist bei einem Rennen wie dem RAAM unbezahlbar.

Sie halten häufig Vorträge und treten als Motivations-Coach auf. Was können Unternehmen/Unternehmer vom Extremsport lernen?

Sie lernen wohl weniger vom Extremsport an sich, als von der Herangehensweise an solche Projekte. Die Hauptbotschaft ist jene: ohne ein funktionierendes Team, das harmoniert und an einem Strang zieht, sind die wenigsten Unternehmungen zu schaffen. Und ich als Sportler muss mit meinem Team eine Einheit bilden, genauso wie ein Vorgesetzter mit seinen Mitarbeitern eine Einheit bilden sollte und nicht nur von oben herab Befehle austeilen sollte. Es ist wichtig, Kontrolle abgeben zu können, und den Menschen um sich herum zu vertrauen.

 

Sie haben die Bedeutung eines gut eingespielten Teams angesprochen. Nach welchen Kriterien suchen Sie die Menschen aus, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Ich hatte in der Vergangenheit immer das Glück, dass in meinem Betreuer-Team viele Freunde mitfuhren. Über diese habe ich dann auch oft neue Teammitglieder kennengelernt. Mir persönlich ist es wichtig, dass sich das Team untereinander versteht und vertraut und sie wissen, worauf sie sich einlassen. Menschen, die sich schon im Vorfeld nicht wirklich sympathisch finden und keinen Draht zueinander haben, können als Team nicht funktionieren. Außer gewissen Kenntnissen braucht es aber auch Organisationstalent, Improvisation und vor allem Humor. 8 Tage hinter mir im Auto zu sitzen, mit der Warnblinkanlage auf Dauerschleife, wenig Platz und wenig Schlaf ist kein Komfort-Urlaub, sondern Arbeit. Das muss man wollen.

Bei Ihnen scheint jeder Erfolg den Hunger nach einer neuen Herausforderung zu wecken. Wie sieht Ihr nächstes Ziel aus?

In Kürze fällt der Startschuss zu meinem achten Race Across America und ich hoffe, erneut als Erster die Ziellinie in Annapolis zu erreichen. Im Herbst fahre ich abermals in die USA zur 24-Stunden WM im Einzelzeitfahren auf der Straße. Ich möchte meine Zeit aus dem Jahr 2016 nochmals verbessern. Die restliche Saison ist noch offen, ein oder zwei kleinere Wettbewerbe werde ich jedoch sicher fahren, zum Beispiel die Race Around Austria Challenge im August.

Grenzen existieren nur im Kopf

In seinem mitreißenden Vortrag bei den MainDays 2018 erklärte Christoph Strasser, wie man sich klare Ziele setzt, diese beharrlich verfolgt und sich selbst immer wieder fordert. Hier finden Sie eine Übersicht von Christoph Strassers Vortragsterminen.

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