Nie mehr betriebsblind

Nie mehr betriebsblind

Präzise Datenerhebung als Voraussetzung für ein valides Benchmarking für Aha-Effekte

In der Instandhaltung von großtechnischen Anlagen schlummern oft große Verbesserungsmöglichkeiten. Der Vergleich mit anderen Standorten und Wettbewerbern kann sie aufdecken. Die Herausforderung bei einem solchen Benchmarking: Um Arbeitsabläufe in komplexen Umgebungen mess- und vergleichbar zu machen, braucht es valide Daten.

by Olaf Wittrock

 

Wer im Sport erfolgreich sein möchte, braucht Trainingspartner – wie Simon Grotelüschen und Philipp Buhl. Obwohl ihnen klar war, dass nur einer den Startplatz bei den Sommerspielen 2012 in London bekommt, bereiteten sich die beiden deutschen Spitzensegler in der olympischen Einhandjollenklasse „Laser“ gemeinsam vor. Sie wussten: Als Konkurrenten bringen sie sich gegenseitig nach vorn. Hätte Buhl alleine in seiner bayerischen Heimat trainiert und Grotelüschen zu Hause in Lübeck – vermutlich hätten beide ein gutes Gefühl gehabt. Doch die Gewissheit über Stärken und Schwächen brachte nur der direkte Vergleich.

Der Blick von außen ist wichtig. Im Sport wie in der Wirtschaft. Auch Anlagenbetreiber können durch Vergleiche mit anderen Standorten innerhalb des Konzerns oder mit anderen Unternehmen aus der Branche das Augenmerk auf Potenziale und Verbesserungsmöglichkeiten lenken. Regelmäßiges Benchmarking – sinnvoll durchgeführt – bringt immer einen Mehrwert. Das zeigte auch eine Befragung von T.A. Cook im Jahr 2013: 86 Prozent der Unternehmen, die regelmäßige Benchmarks durchführen, konnten in ihrer Instandhaltung von deutlichen Effizienzsteigerungen profitieren. Ebenso eignet sich Benchmarking für Unternehmensbereiche wie Produktion, Stillstandsoder Kontraktorenmanagement.

Geeignete Kennziffern

Wie effizient arbeiten Kollegen und Dienstleister? Wo schlummern Reserven? Wie wettbewerbsfähig sind einzelne Unternehmensstandorte? Die Fragen sind schnell gestellt – die Antworten alles andere als trivial. Um die Performance einzelner Standorte wirklich vergleichen zu können, müssen im ersten Schritt geeignete Kennziffern gefunden und mit Inhalt gefüllt werden, etwa Instandhaltungskosten, Fremdleistungsanteil, Eilauftragsquote, Terminplanungstreue oder Warte und Wegezeiten. Hilfreich sind dabei On-Site Studien und Interviews mit Verantwortlichen sowie Cross-Check-Gespräche mit ausführenden Mitarbeitern. Im zweiten Schritt bringt auch der Vergleich mit Konkurrenzunternehmen sowie anderen Branchen wertvolle Erkenntnisse. In vielen Unternehmen gehört er inzwischen sogar zum Pflichtprogramm. Die Herausforderung dabei: Wer nicht Äpfel mit Birnen vergleichen will, muss wissen, welche Kennzahlen relevant für seine Branche sind – und einen ausreichend großen Datensatz auch für kleinere Nischen besitzen.

Denn: Jeder Standort und jede Branche bringt eigene Bedingungen und Herausforderungen mit, so dass sich die Produktions- und Wartungsbedingungen deutlich unterscheiden. Oft sorgt deshalb allein schon die präzise Datenerhebung als Voraussetzung für ein valides Bench marking für Aha-Effekte. Wer erstmals bewusst Ausfallzeiten oder Instandhaltungskosten auflistet und vergleicht, erkennt etwa, dass sich überflüssige Arbeitsschritte eingebürgert haben, die an anderen Standorten gar keine Rolle spielen. Als nächster Schritt jenseits der Kennzahlen kann dann ein sogenanntes Prozess-Benchmarking folgen als qualitativer Vergleich von Standards und Reife grad der Organisation.

Gelingt all das, bieten Benchmarking-Ergebnisse eine gute Möglichkeit, zu sensibilisieren, die Mentalität von Mitarbeitern und Management zu verändern und Verbesserungen durchzusetzen. Fortlaufend, denn es ist keine einmalige Angelegenheit, sondern ein Kreislauf aus regelmäßiger Anpassung und Überprüfung – im eigenen Haus genauso wie im wirtschaftlichen Umfeld. So kann jede Organisation ihre Effizienz aussagekräftig erfassen, steuern und nachhaltig erhöhen.

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