Praxis bestätigt Prognosen

Praxis bestätigt Prognosen

Experten liegen in der Studie von T.A. Cook zu 80% richtig

 

von Roland Hensel

Im Jahr 2009 befragte T.A. Cook eine große Zahl Geschäftsführer, Produktionsleiter,  Site- und TAR-Manager petrochemischer Anlagen sowie Dienstleister zu zukünftigen Trends, Strategien und Szenarien beim Turnaround (TAR). Dabei kristallisierten sich zwei Trends heraus: die Verlängerung der Laufzeiten und die Verkürzung der Stillstandszeiten von verfahrenstechnischen Anlagen. Die technischen Dienstleister prognostizierten, dass die Betreiber sich zukünftig verstärkt auf langfristig-partnerschaftliche Modelle fokussieren werden. Mit der Zunahme von Sicherheitsauflagen durch neue Standards und der Zunahme der Projektanteile rechnete knapp die Hälfte der Befragten.

Zehn Jahre später - auf der TAR-Tagung von T.A. Cook 2019 in Potsdam - spiegelte Gerald Pilotto die prognostizierten Trends mit den derzeitigen Entwicklungen. Der Executive President der Division Engineering & Maintenance Continental Europe von Bilfinger SE führte aus, dass 80 Prozent der damals vorausgesagten Dienstleistungstrends eingetroffen sind.

Die erste Aussage der Studie, dass die Nachfrage nach TAR Services bis 2020 um 20 % sinken werde, trifft jedoch nicht zu. Gerade in den nächsten drei Jahren stehen sehr große Turnarounds an, so dass sich das Volumen der Dienstleister laut Pilotto kaum verändern werde. Gleichzeitig gäbe es aber eine Konsolidierung auf der Dienstleisterseite, denn der Trend gehe in Richtung EPC (Engineering-Procurement-Construction)-Projekte. „Von den TAR-Dienstleistern wird immer mehr verlangt auch Projekte mit abzuwickeln. Und dadurch, dass die kleinen und großen Projekte stärker ineinanderfließen, steigen auch Komplexität und Risiko“, betonte Gerald Pilotto. Um diese Anforderungen erfüllen zu können bilden sich immer mehr Joint Ventures, Arbeitsgemeinschaften und strategische Allianzen.

„Die damalige Prognose, dass das Vertragsvolumen durch Investitionen ansteigt, können wir bestätigen“

Gerald Pilotto, Bilfinger

„Wir haben bei Bilfinger ein Marktmodell erstellt und dabei festgestellt, dass die Volumina bei Maintenance und im Projektgeschäft im deutschsprachigen Raum ungefähr gleich groß sind. Das veranlasste uns, unsere Strategie  darauf auszurichten. Sehr stark investitionsgetrieben sind die Turnarounds, auch wenn hier der Trend zu kleineren Turnarounds geht“, ergänzte er.

In der Studie wurde ebenfalls vorhergesagt, dass Planungsgruppen sowohl auf der Betreiber- als auch auf der Dienstleisterseite standortübergreifend eingesetzt werden. Dies hat sich inzwischen voll im Markt etabliert und demzufolge entwickelten sich unabhängige Projekt- und Planungspartner. Und auch die großen EPC-Kontraktoren sind hier aktuell gefordert, mit diesen im Turnaround zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig steigt aber der internationale Wettbewerb im TAR-Geschäft, vor allem im Mechanikbereich. „Hier bewegen sich viele Firmen aus den osteuropäischen und baltischen Ländern, aber auch relativ viele spanische und süditalienische Unternehmen“, so Gerald Pilotto weiter.
Was jedoch nicht eingetreten ist, sind emporschnellende Zukunftsmärkte in Osteuropa. Ungarn, die Slowakei und Polen sind sehr national geprägt. Teilweise werden hier privatwirtschaftliche Unternehmen sogar verstaatlicht. Und so kommt es, dass die, an die DACH-Region angrenzenden Märkte stagnieren oder sogar schrumpfen.

Die TAR-Marktstudie können Sie hier herunterladen

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